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Studie: Automobilindustrie der Zukunft

Automobilindustrie

Gestern wurde im Bundestag die Zukunft der Automobilindustrie zusammen mit einer zukünftigen Verbreitung der Elektromobilität diskutiert. Dr. Anja Peters, Dr. Wolfgang Schade und Prof. Dr. Martin Wietschel vom Fraunhofer ISI stellten zwei Studien vor, die im Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung erstellt wurden. Unter anderem wurde deutlich, dass die deutsche Automobilindustrie gut aufgestellt ist, sich aber auf eine starke Diversifizierung auf mehreren Ebenen einstellen muss. Weiterhin zeigte sich, dass die Verbreitung von Elektrofahrzeugen ökologische und ökonomische Vorteile bringen kann − wenn entsprechende Rahmenbedingungen dies unterstützen.

Die Studie „Zukunft der Automobilindustrie“ analysierte die globalen Entwicklungen sowie die heutige Aufstellung der deutschen Automobilindustrie mit ihren Zulieferern und ihren Produktionsstandorten im In- und Ausland. Die Ergebnisse zeigen, dass zukünftig eine Diversifizierung auf vier Ebenen zu erwarten ist:

1. Diversifizierung der Antriebskonzepte: Strom, Biogas und Wasserstoff ergänzen die fossilen Energieträger zunehmend, zudem kommt es zu den unterschiedlichsten Varianten der Hybridisierung zweier Energieträger beziehungsweise Antriebsmotoren im gleichen Fahrzeug.
2. Diversifizierung der verwendeten Materialien: Es werden vermehrt leichtere Materialien genutzt, um eine Gewichts- und Energieeinsparung zu erreichen. Weiterhin werden verstärkt neue Materialien wie Aluminium, Magnesium oder kohlefaserverstärkte Kunststoffe kombiniert.
3. Diversifizierung der Modellpalette: Es werden neue Variationen der Karosserietypen und neue Klein(st)fahrzeuge entwickelt.
4. Diversifizierung der Wertschöpfung: Die Automobilhersteller sind nicht mehr nur Anbieter von Fahrzeugen, sondern bieten neben ihren Produkten auch multimodale Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing an, was die Nutzung und Kombination verschiedener Verkehrsmittel fördert.

Dr. Wolfgang Schade, Leiter dieser Studie, fasst zusammen: „Insgesamt ist die deutsche Automobilindustrie heute gut aufgestellt. Sie ist präsent auf global wichtigen Märkten, bedient auf weltweiter Ebene das stark wachsende und profitable Premiumsegment und verfügt über das Know-how, sowohl Effizienztechnologien als auch alternative Antriebsenergien in der angemessenen Dynamik voranzutreiben. Risiken liegen unter anderem in der Schwäche der europäischen Auslandsmärkte sowie darin, wichtige Trends zu verpassen. Zu den wichtigsten Entwicklungen gehört die zunehmende Verbreitung elektrischer Antriebe und neuer Mobilitätskonzepte.“

Auf das Thema elektrische Antriebe fokussiert die zweite Studie „Konzepte der Elektromobilität und deren Bedeutung für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt“. Elektromobilität auf der Straße wird in den kommenden zwei Dekaden ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätssysteme in Deutschland und der Welt werden. „Diese Entwicklung kann dazu beitragen, die beiden Jahrhundertprobleme des Verkehrs zu lösen oder zumindest deutlich abzumildern: Treibhausgasemissionen und die Knappheit fossiler Ressourcen“, so Dr. Anja Peters, Leiterin dieser Studie. „Zentrale Voraussetzung dafür ist aber, dass der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt und ein Anstieg des motorisierten Individualverkehrs vermieden wird.“ Dazu bietet sich die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in multimodalen Mobilitätsangeboten an. Auf diese Weise kann die Elektromobilität den Trend zur Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel unterstützen.

Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen dürfte zudem vorrangig in gewerblichen Flotten sowie bei Pendlern erfolgen. Beispiele für Maßnahmen, die eine solche Entwicklung unterstützen, sind förderliche Stellplatzregelungen für Carsharing und Ladeplätze sowie Standards für Lade-, Buchungs- und Abrechnungssysteme. Für gewerbliche Flotten können geeignete Regulierungen effektiv sein, beispielweise Umweltzonen und die Ausdehnung von zeitlichen Lieferfenstern für innerstädtische Anlieferungen durch Elektrofahrzeuge.

Die Analyse der gesamtwirtschaftlichen Effekte zeigt, dass eine zukünftige Verbreitung der Elektromobilität in Deutschland gesamtwirtschaftlich nicht zu Mehrkosten führt, sondern bis 2030 ein leicht positiver Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung zu erwarten ist. Die Batteriezellenproduktion wird derzeit allerdings von asiatischen Industrie- und Schwellenländern dominiert, deutsche Firmen spielen hier international kaum eine Rolle. Um bei zukünftigen Batterietechnologien relevante Marktanteile erreichen beziehungsweise Batterien aus deutscher Produktion nutzen zu können, ist es entscheidend, Forschung und Entwicklung im Bereich der Batteriezellen zu fördern, wobei in Deutschland auf hervorragende Kompetenzen bei der Materialforschung aufgebaut werden kann. Zudem sollte die bereits gute Position Deutschlands bei weiteren relevanten Komponenten wie Elektromotoren und Leistungselektronik unbedingt gesichert werden.

In Hinblick auf die für Elektrofahrzeuge erforderliche Ladeinfrastruktur hält Dr. Martin Wietschel fest: „Das Laden der Elektrofahrzeuge findet aktuell und auch in den nächsten Jahren primär an Unternehmensstandorten und zu Hause statt. Ein Ausbau von öffentlichen Ladestationen sollte sich daher aktuell auf wenige gut zugängliche Stellen konzentrieren, um in Notfällen ein Nachladen zu ermöglichen, vor allem aber, um Hemmschwellen beziehungsweise Befürchtungen bezüglich einer unzureichenden Reichweite abzubauen und die Sichtbarkeit der Elektromobilität zu erhöhen.“ Langfristig ist ein politisches Engagement wichtig, das auf die Normung von Ladesystemen und einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ladeinfrastrukturen gerichtet ist.

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